Ernst Moritz Engert und die Darmstädter Sezession

Der Bogenschütze als Emblem der Avantgarde

08.09.2019 - 17.01.2020

Die Darmstädter Sezession feiert in diesem Jahr ihr hundertjähriges Gründungsjubiläum. Aus diesem Anlass widmet das Kunst Archiv Darmstadt e.V. der Sezession eine zweiteilige Ausstellung, die die Gründungsphase der Sezession 1919/20 und ihrer Gründungsmitglieder dokumentiert und das außergewöhnliche Werk des Scherenschneiders Ernst Moritz Engert ins Zentrum stellt.

Am 8. Juni 1919 gründeten Maler, Bildhauer, Schriftsteller und Dichter in Darmstadt die Sezession und deklarierten: „Die radikalen Künstler Darmstadts haben sich zu einer Sezession zusammengeschlossen, haben die längst erforderliche Reinigung von bourgeoiser Verschmutzung vollzogen“. Zuvor hatten sich Mitglieder der Sezession in den Veröffentlichungen der Flugblätter Die Dachstube und der Zeitschrift Das Tribunal „Gegen Hetze – für Gerechtigkeit. Gegen Lauheit – für Erneuerung“ ausgesprochen und sich massiv, unmittelbar nach dem Krieg, für ein geeintes Europa eingesetzt. Tribunal und Sezession waren das deutsche Zentrum der Clarté-Bewegung, die die Jugend und das geistige Europa im Zeichen von Frieden und Völkerverständigung vereinte.

Ernst Moritz Engert war ein geborener Graphiker, ein Mann der Linie und des Schwarz-Weiß-Kontrastes. Er gehörte zur Avantgarde und gleichermaßen zu den Bohème-Zirkeln in München, Bonn, Berlin und Darmstadt. Er war genial in seiner Kunst, ein Genie der Freundschaft und er fand mit der eigentlich kunsthandwerklichen Technik des Scherenschnitts einen festen Platz in der Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts. Engert war nicht nur ein gesuchter Porträtist, der seine Zeitgenossen im Bildnis festhielt, er war auch Illustrator, Bühnenbildner, und Mitarbeiter vieler Zeitschriften. „Er verwaltet die Silhouette“, schrieb Kasimir Edschmid, „und stellt in seinen Kurven und Auflösungen einen solchen Grad der Eigenheit dar, daß man seine Linienführung in die allererste Reihe expressionistischer Formgebung stellen muß“. Engert trieb den Scherenschnitt zu einer künstlerisch noch nie dagewesenen Meisterschaft. Zwischen 1916 und 1924 wurde Darmstadt für Engert ein Ort häufiger Besuche und längerer Aufenthalte. Enge Freundschaften zu Karl Thylmann, Karl Wolfskehl, Carl Gunschmann, Fritz Usinger und vor allem zu dem Dichter Hans Schiebelhuth banden ihn an Darmstadt. Seine Besuche galten dem täglichen Künstlertreff im Café Oper und den Künstler- und Dichterfreunden aus dem Kreis der Darmstädter Sezession.

Für die erste Ausstellung der Sezession entwarf Engert das Emblem des Bogenschützen. Damit schuf er ein signifikantes Zeichen, getragen von zielgerichteter Konzentration, von Spannkraft und Präsenz. Bis heute wird Engerts Bogenschütze variiert, verändert und dient auch der nach 1945 wieder gegründeten Sezession als Signet. Die Jubiläumsausstellung des Kunst Archiv Darmstadt e.V. zeigt aus musealen und privaten Sammlungen einen großen Querschnitt aus dem kühnen und zeitaktuellen Werk Ernst Moritz Engerts.

 

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